JayJay


Mit knapp 12 Monaten


Eine Herausforderung wird 1 Jahr alt

...oder "erstens kommt es anders und zweitens als man denkt" :-)

Kaum zu glauben, wie schnell die Zeit vergeht! Auch, wenn ich ihn noch nicht 12 Monate kenne, wird es Zeit, einmal ein erstes Resumee zu ziehen.

Ich werde auch jetzt noch oft gefragt, warum ich mir nach den beiden Großen nun so einen kleinen Hund geholt habe.
Nun ja, ich finde sie quirlig, klein und doch sportlich. Ich wollte einen kleinen Hund, um einmal in Echt die Erfahrung zu machen, wie es ist mit diesen zu leben. Aber es sollte einer sein, mit dem ich auch richtig Sport machen kann - sofern der Hund es denn möchte!

Ich wollte einen kleinen Hund, der Hund ist!

Und da es das erste mal ein Hund vom Züchter ist, mit wirklich liebevoller guter Aufzucht, habe ich mir vor 10 Monaten vorgestellt, dass JayJay mir sicher schon bald in der Hundeschule als Helfer zur Seite stehen kann.
Schließlich haben wir ihn extra mit der Züchterin ausgewählt, weil er ein kerniger Kerl ist, der schon ein bisschen was abkann. Und schließlich haben wir in der Welpengruppe bei uns in der Hundeschule einen sehr guten Grundstein gelegt.
Er sollte also, sobald er soweit ist, mit mir zum Training fahren und dort als gutes Vorbild dienen. Ein Hund, der extrem viel Spaß an der Arbeit hat, egal was wir tun. Ein Hund, der trotz seiner kleinen Größe sicher mit anderen Hunden umgeht. Ein Hund, den man einfach überall dabei haben kann.
DAS war mein Plan!

Nun ja, JayJay hatte da anscheinend andere Pläne...

Nicht nur, dass er die ersten Monate das reinste Pokerface war und für mich, die besonders auf Hundesprache achtet, extrem schwer zu lesen.
Nein, er hat uns auch gleich von Anfang an wissen lassen, dass er rein gar nichts davon hält, wenn man ihn körperlich manipuliert - und dabei macht er keinen Unterschied zwischen Fellpflege, Zecken ziehen oder aber auch das Schieben zur Seite, damit man auch mit auf dem Sofa sitzen kann.
Und damit ich mich nicht für eine gute Hundetrainerin halte, hat er auch gleich sicher gestellt, dass Training nach Lehrbuch bei ihm nicht so einfach funktioniert. Ich musste mir schon einiges einfallen lassen, aber mittlerweile darf ich sogar mal Kletten puhlen, ein paar Bürstenstriche machen und an guten Tagen eine Kralle kürzen. Es wird!

Auch war Jays jagdliche Motivation von Anfang an deutlich mehr als welpenhaftes Gehopse und Verfolge. Schon mit wenigen Wochen hat er in Nachbarsgärten einen enormen Ehrgeiz an den Tag gelegt, was Vögel angeht.
Recht schnell ist er dann von dem Kleingetier umgestiegen auf Kühe und Pferde. Das Training ist dank der immer wieder kehrenden Entwicklungsphasen zäh, aber es sind eindeutig positive Tendenzen zu erkennen.

Mir war klar, dass kleine Hunde anders fressen, schon aufgrund der kleinen Futtermengen. Dass sie tagelang gar nichts fressen, war mir eine gänzlich neue Erfahrung. Mit der Zeit haben wir dann herausgefunden, dass es ihm am besten schmeckt, wenn er für das Essen arbeiten muss (Kong o.ä..) Widerum schmecken ihm Kauartikel aber nur, wenn man speist, wie die Prinzessin auf der Erbse, d.h. am liebsten auf den Kissen auf dem Sofa, auf seinen Menschen, mindestens dann aber auf deren Klamotten.

JayJay ist nicht futterneidisch. Wenn er jedoch dafür arbeitet, so werden die Belohnungen zu einer wichtigen Ressource, die es unbedingt zu verteidigen gilt. Er hat dieses Verhalten ganz abgeschwächt schon mit 12 Wochen gezeigt. Damals hat er sich bei Auftauchen der anderen Hunde meist sehr dezent zwischen den anderen und die Belohnung gebracht. Heute ist er weitaus deutlicher und auch hysterischer. Und er hat seine Liste der Ressourcen um einige Punkte erweitert.
Auch hier hat er mir gleich gezeigt, dass man schon ordentlich daran trainieren muss und es ernst nehmen sollte. Ein bisschen nebenbei ist da leider nicht drin.

Tja, und so cool wie er zu Beginn mit anderen Hunden war (nachdem er die erste Unsicherheit abgelegt hatte), so gut spektakelt er nun an der Leine. Er kommt mit dem Frust nicht klar, nicht überall hin zu können und tut das lautstark kund.
Und auch hier fruchtet das in vielen Fällen bei meiner Kundschaft erfolgreiche Training lange nicht so. Er hat einfach ein paar besondere Aufgaben für mich dabei parat. Wieder heisst es "lass dir etwas einfallen".

Und weil ich ja noch nicht genug zu tun habe, fängt er jetzt unter Frust auch noch an Autos zu jagen. Wir sind hier Gott sei Dank im Anfangsstadium und können es so hoffentlich gleich wieder in richtige Bahnen lenken.

Immerhin traf eine Vorstellung (fast) ein: Jay ist ein Sportler! Er hat den Will-to-Please......
...den Will.to-please-HIMSELF ;-)
Er macht alles begeistert mit, solange es ihm in den Kram passt.
Er liebt Frisbee spielen, weil er da so schön jagen kann. Auch der Reizangel ist er nicht abgeneigt. Er apportiert für sein Leben gerne und ist echt gut im Dummytraining und er ist schon mit wenigen Monaten eine ausdauernde Spürnase im Mantrailing - wobei wir da zur Zeit pausieren, da die Damenwelt gerade mehr lockt- und der Objektsuche.
Agility wird wohl auch noch mal seine Welt, aber nur, wenn es schnell ist.
In allem anderen sieht er (noch) gar keinen Sinn und zeigt das auch deutlich *g*

Mir war durchaus bewusst, dass ein kleiner Hund für mich eine ganz neue Herausforderung werden würde. Und ich habe auch erwartet, dass wir sicher die ein oder andere neue Baustelle zu bearbeiten kriegen werden, die ich bisher bei meinen Oldies noch nicht hatte.
Aber ich frage mich oft: musste er ALLE Baustellen mitbringen, die ich noch nicht hatte?? Hätten noch 1 oder 2 auch gereicht?

Sein Gehirn ist zur Zeit eine Großbaustelle. Wir laufen nur noch mit Schleppleine rum, denn mit einem Radius von 200 Metern und vergessenem Rückruf dafür aber auf der Suche ja Wildspuren oder anderen Hunden, ist das Spazieren gehen mir persönlich sonst zu aufregend....

Aber wir arbeiten daran. An allem! Und wahrscheinlich werde ich eines Tages sagen "ich bin dankbar für alles, was ich durch ihn lernen durfte".
Und das wird VIEL sein...

Ja, ich wollte einen Hund, der Hund ist. Ich habe nicht davon gesprochen, dass er gleich 3 Hunde sein muss!
Irgendwas ist da bei meiner Bestellung wohl schief gelaufen....

Nichts desto trotz liebe ich diese kleine Kröte so wie er ist. Wir sind schon so toll zusammen gewachsen. Er hat viele Dinge schon gut gelernt und es macht Spaß mit ihm.

Ich freue mich auf die nächsten Jahre - gerne auch ohne weitere Baustellen ;-)

Karen, ich danke Euch für diese Lebenserfahrung mit den grossen zauberhaften Ohren!
www.bordermix.de
Diana Drewes