Die Gedanken eines Hundes...



...zum Thema Kommunikation zwischen Hund und Mensch

Nachdem wir zum Thema Rangordnung schon so tolle Erkenntnisse gewinnen konnten, machen wir nun weiter mit einem neuen Thema.
Hier nun das wundervolle Gespräch zwischen Johanna und ihrer Hündin Lucy!



Frauchen:Also Lucy - hi!

Lucy: Hi!

Frauchen: Ich hab dir ja erzählt davon, dass wir ein paar Gespräche machen wollen mit unterschiedlichen Hunden - zu so allgemeinen Dingen in der Beziehung zwischen Hund und Mensch...

Lucy: Ja, klar! Und ich mach auch gerne mit! Hast du ja lange vergessen.

Frauchen: Stimmt, aber jetzt können wir ein Gespräch machen in der Art, wenn du willst...

Lucy: Ja, sofort! Was willst du wissen? Du musst wissen, du hast ja schließlich eine Expertin hier... (grinst)

Frauchen: Ja, natürlich! Deshalb wollen wir es ja auch mit Hunden direkt machen, dann haben wir es einfach mal direkt von euch!

Lucy: Genau, habt ihr euch auch viel zu viel Zeit für gelassen! Aber nun gut... frag!

Frauchen: Was meinst du, Lucy, ist das größte Problem zwischen Menschen und Hunden?

Lucy: Kommunikation!! Ihr Menschen versteht es einfach nicht, direkt mit uns zu reden. Deshalb müssen wir Wege finden, euch anders zu zeigen, was wir denken. Und das wird von euch dann oft als Verhaltensproblem angesehen. Wenn ihr immer direkt fragen könntet.... würde es viele Probleme gar nicht geben. Doch wenn ihr dann auch auf dieses Verhalten nicht mehr wirklich reagiert... - also es immer weitergeht, dann kann es wirklich zu einem Problem werden. Dann geht es nämlich wirklich in unser Verhalten über. Ihr schafft es nicht adäquat zu reagieren auf uns, und zwar sofort. Das wäre im Rudel so toll. Alles wird abgesprochen, nichts schwelt vor sich hin. Das ist zwischen Mensch und Hund viel zu oft der Fall. Und wenn ihr eingeht auf das Verhalten, wollt ihr oft nur das Verhalten loswerden. Ihr denkt nicht über die wahren Gründe nach, vieles ist das Spiegelbild eurer selbst...

Frauchen: Hmm, Lucy... aber es gibt doch sicher auch Dinge, Probleme in eurem Leben, die nicht direkt etwas mit uns Menschen zu tun haben... also wenn ein Hund zum Beispiel Angst hat, muss es doch nicht automatisch bedeuten, dass der Mensch auch Angst hat... es kann, natürlich, aber Hunde sind ja auch eigenständige Wesen.

Lucy: Natürlich. Aber öfter als ihr denkt. Wir sind ja auch zusammen aus einem bestimmten Grund, das ist schon richtig so. Auf jeden Fall müsstet ihr bei Problemen mehr auf uns eingehen, uns direkt fragen und es als eine Herausforderung ansehen. Das würde viel helfen.

Frauchen: Was heißt das jetzt konkret, Lucy? Angenommen, ein Hund geht auf fremde Hunde los... was soll der Besitzer tun, als erstes?

Lucy: Sich einstimmen auf den Hund, ihn fragen, wieso er das tut. Und zwar schnell, nicht erst Jahre, Monate später. Wenn er das nicht kann - das kann man wohl leider noch nicht von jedem erwarten, dass er diese Einstellung hat, daran zu glauben - ja, das hab ich inzwischen gelernt - gibt es dennoch viele Möglichkeiten.

Frauchen: Was genau?

Lucy: Erstens: Sofort an das Problem herangehen. Schauen, wann es immer ist. Überlegen, was kann die Ursache sein. Dem Hund auch zeigen, dass man sich anstrengt, zu verstehen. Vieles kann der Besitzer auch so, wenn er den Hund genau beobachtet, erkennen. Das ist ein weiteres riesiges Problem - dieses Schubladendenken! Ihr seht, der Hund macht dies - aha, also gewöhne ich ihm das so und so ab. Das geht nicht! Immer erst nachdenken, sich klar werden - dann handeln! Und nein, das dauert nicht zu lange - es kann so schnell gehen, wenn ihr euch drauf einlasst! Jeder Hund ist anders, und jeder Mensch ist vor allem auch anders. Also unterschiedliches Gespann - unterschiedliche Lösung.



Frauchen: Ja, das leuchtet mir sehr ein. Aber wie ist das denn deiner Meinung nach zum Beispiel mit Angst - was würde dir zum Beispiel eher helfen? Es wird immer gesagt, wenn der Hund Angst hat, muss der Mensch besonders sicher auftreten, dann kannst du daran Sicherheit bekommen. Ist das so für dich?

Lucy: Naja, ich denke schon. Doch diese Sicherheit darf nicht gespielt sein, das merken wir doch. Ihr müsst euch klar werden über das Problem, und wenn ihr euch klar seid darüber, dann seid ihr auch sicher. Und dann könnt ihr natürlich ein Halt sein für uns.

Frauchen: Du stimmst damit überein, dass man z.B. mit Trösten die Angst eines Hundes eher verstärkt?

Lucy: Kommt auch, wie immer, auf die Einstellung dahinter an. Wir dürfen euch nicht leid tun! Dann macht ihr uns selber klein. Ihr müsst an uns glauben, das ist richtig.

Frauchen: OK, Lucy.. Wenn ich das jetzt noch mal in meinen Worten sage... du findest, wir Menschen schauen zu wenig, was die Ursachen sind für ein Problem, ziehen zu wenig in Erwägung, dass es auch was mit uns zu tun haben kann.. und haben zu viele "Standard"lösungen bereit, ohne auf den Hund selbst einzugehen...

Lucy: Ja, ganz genau! Und wenn ihr das ändert, ist viel erreicht!

Frauchen: Gut, dankeschön, Lucy! Wie stellst du dir denn das perfekte Leben zwischen Hund und Mensch vor?

Lucy: Hmm... mal überlegen. Ständiger Kontakt, bei Problemen redet man miteinander. Und zwar auch gegenseitig! Es gibt viele Dinge, die uns an euch stören. Auch darüber kann man reden und vielleicht Lösungen finden, wie es beiden damit besser geht. Ihr müsst viel mit uns machen, auf jeden Fall, Arbeiten ist toll. Es macht Spaß, wenn man so ein Team bilden kann. Wir brauchen eine Aufgabe, etwas, was uns mehr mit euch verbindet. Was das ist, ist eigentlich egal, das kommt auch auf den Hund an. Dass ihr keine Gewalt anwenden dürft, ist eigentlich klar, oder? Aber das heißt nicht, dass klare Regeln unbedingt schlecht sind. Das kann auch sehr helfen, wenn man genau weiß, was in welcher Situation wessen Aufgabe ist. Aber in dieser Planung dürft ihr uns nicht vergessen. Am besten wäre es - ich rede ja vom Idealfall - wenn man zusammen das gesamte Leben durchspricht, die meisten Alltagssituationen. Und jeder gibt seine Vorstellungen davon weiter, was er wo wie machen können will, was er toll fände. Zu oft wollt ihr einfach, dass der Hund sich unauffällig verhält. Es ist klar, das ist oft wichtig für das ruhige Zusammenleben. Aber wenn man nie etwas machen kann, frustriert das oft auch ungemein - das ist dann nicht schön. Man kann vieles so umändern, dass beide zufrieden sind! Also, dass ihr uns eine alternative Aufgabe gibt, dann dürfen wir wenigstens etwas machen! Und fühlen uns gleich viel ausgelasteter. Ja, ich glaube, das wäre es so. Gibt natürlich immer noch mehr. Aber das ist so das Wichtigste. Gib das so weiter! Ich will berüühmt werden! (grinst)

Frauchen: Lach, Lucy, ja, ich geb das so weiter. Danke für deine Ansichten! Das ist echt interessant...

Lucy: Jo jo, gerne! Aber jeder Hund wird das etwas anders sehen. Was ich glaube ich nicht genug erwähnt habe, ist die Klarheit, die wichtig ist. Wir müssen genau verstehen können, warum ihr was wie macht. Erklärt es uns, übergeht uns nicht immer! Und dann könnt ihr auch gerne klare, strenge Regeln geben für manche Dinge. Wenn es verständlich ist, macht es vieles leichter!

Frauchen: Ok, danke, Lucy.

Lucy: Gerne!



Und vom 04. mai 2008 gibt es zu diesem Thema auch noch das tolle Gespräch zwischen Johanna und meiner Jackie. lest selbst!

Hallo Jackie
hallo (wuffwuffwedelkläff)
Wie geht es dir?
Gut geht’s mir guuuut! Wir haben ja schon vor ein paar Tagen geredet! Guuut! (ganz aufgedreht)
Was machst du denn, dass du so aufgeregt bist?
Mich einfach freeeeeuuuuen! Grins!! Spielen, tolles wetter, viiiieeeel Spaß!!!
Das freut mich, dass es dir so gut geht! Stör ich grade?
Nö sowieso nicht (grinst) ich kann gut vieles gleichzeitig
Das freut mich du Süße! Ich wollte mich ja ein bisschen üben in der TK wieder
unnötig
Danke, aber trotzdem... ich dachte, wir können mal ein Gespräch mit dir haben über das Verhältnis Mensch – Hund... was hälst du davon?
Ja, klar gerne – was denn genau?
Zum Beispiel... wie nehmt ihr als Hunde eure Umgebung war, was ist der größte Unterscheid zu uns Menschen?
OK, gut... lass mich nachspüren! (Perspektive verrutscht nach unten, blickt sich um, riecht). Es sind ganz andre Prioritäten da. Es geht um JETZT und HIER. Das ist erstmal das wichtigste. Was gibt es jetzt zu entdecken, was kann ich jetzt machen. Ich denke nicht an gestern und so weiter... es beeinflusst mich zwar im Verhalten, aber nur im Jetzt. es gibt keine vorwürfe wegen irgendetwas (zumindest meistens nicht) es gibt keine Probleme wenn etwas schief gelaufen ist – jetzt ist jetzt. und wenn wir jetzt gerade glücklich sind und so schön rumtoben können wie jetzt, ist alles gut – egal was vorher war, was kommen wird. zumindest mir geht es so. Tabi ist auch noch so, der kleine Wonneproppen (ich höre ein glucksendes lachen und Jackie sieht die Lachgrübchen in ihrem Gesicht – ein ganz liebevolles Gefühl ist da) . Wenn wir jetzt Futter bekommen, sind wir glücklich – wenn wir jetzt rennen sind wir glücklich. das ist einfach so.
Und die Zukunft, Jackie? Wenn du das Gefühl hast, dass etwas passieren wird – oder dass zum Beispiel Diana mal wegfährt. Was ist dann?
Was dann ist? Nichts dann. Ich beschäftige mich damit, wenn ich es wirklich erlebe. weshalb vorher? Wenn Diana unruhig wird und rumrennt, dann ist das JETZT auch belastend, wenn ich merke, dass sie aufgeregt ist, beeinflusst uns das jetzt in diesem Augenblick und wir wollen, dass sie glücklich wird. aber es geht da mehr ums jetzt als um Ängste für später.
das ist bewundernswert...
nö nicht bewundernswert nur anders. ihr müsst nicht immer glorifizieren, was wir machen. IM HIER UND JETZT LEBEN... klar ist das toll! Aber so sind wir halt. Ihr Menschen seid anders. es ist auch ok, dass ihr anders seid, und nicht alle Veränderungen durch eure Gesellschaftsform sind schlecht. Das müsst ihr euch auch vor Augen führen. Ihr hattet ja Gründe, euch in eine andere Richtung zu entwickeln. Es ist gut, wenn ihr euch uns annähert und auch für euren Alltag Ruhe lernt, das Genießen. Aber es darf nicht krampfhaft werden.
Das hört sich sehr überzeugend an, Jackie... und auch anders als das, was man oft hört
Eben! Deswegen wollte ich es sagen (seufzt und rollt sich zufrieden ein)
Folgendes, Jackie: Wie nehmt ihr uns Menschen wahr? Was sind wir für euch?
Ihr seid GROß! Oft im Stress und denkt an was anderes. Das ist aber auch ok, es entspricht euch eben. Ihr seid auch sehr liebevoll, und wir haben oft die Aufgabe, diese Liebe aus euch rauszulocken, das kindliche Sichfreuenkönnen... und gerade weil wir das auf diese Art und Weise machen, ist es nicht verkrampft. Das meinte ich vorhin: ES wäre total verkopft, euch vorzunehmen, das Hier und Jetzt zu genießen. Das geht so einfach: Streichelt uns und ihr seid im Hier und Jetzt!
Was sind unsere größten Schwächen und was sind die größten Stärken?
Hab ich doch schon genannt. Schwächen noch.... ja, das mangelnde Präsent-Sein. Egal in welchem Zudsammenhang würde es euch helfen, weniger an anderen Gedanken zu hängen und euch mehr auf eine Sache zu konzentrieren. Aber das ist ja gleichzeitig auch eine Stärke, dass ihr planen könnt, dass ihr an alle denken könnt und viel schaffen könnt. Das sind zwar menschliche Erfolgsgedanken – klar – aber trotzdem sind sie legitim und ein Stück weit braucht ihr das auch. Etwas erreichen und stolz darauf sein – darin seid ihr Meister. Wenn wir oft nur ans Jetzt denken, könnt ihr schon an das Glück im nächsten Moment denken und dadurch etwas Tolles aufbauen. Den Stolz danach spüren wir auch – aber die ganzen Vorbereitungen vorher waren nicht möglich für uns. So ist es immer ein Geben und Nehmen mit uns als Gespann! (ich habe dabei immer das Bild eines gut gelaufenen Agi-Parcours im Kopf...)
Gibt es etwas, was wir vor allem im Kontakt mit euch falsch machen?
Uns vermenschlichen. Alles von euch in uns projizieren. Da müsst ihr aufpassen
Das heißt konkret?
Denken, dass wir über Vergangenes traurig sind, oder Angst vor der Zukunft haben. Mit eurer Besorgnis um uns dann versetzt ihr uns natürlich in einen traurigen Zustand, weil es euch nicht gut geht. Wenn ihr positiver seid und daran glaubt, dass auch wir positiv denken – dann liegt ihr viel richtiger.
Dankeschön, Jackie! Das ist sehr spannend...
Find ich auch. Schön, dass du mir zuhörst!
Gibt es etwas Wichtiges, das du mir noch unbedingt sagen willst?
(Schlecker quer über Dianas Gesicht) Ihr gebt euch so viel Mühe – danke dafür! Ansonsten zu Hunden noch.... es gibt unterschiedliche Hunde, mit unterschiedlichen Wesenszügen, lieb, böse, aggressiv.... so sind Hunde auch manchmal. Sucht nicht immer die Schuld bei euch. Lasst auch „bösem“ Verhalten Raum – es ist in dieser Situation notwendig für den Hund. Glaubt nicht, alles aberziehen zu können. Manches bleibt bestehen und das ist ok so. Wir sind auch so viel wert! Seht das wie bei anderen Menschen: da seid ihr auch ziemlich tolerant – und das, obwohl die Menschen ja in ihrer momentan „natürlichen“ Umgebung leben – für uns Hunde kann das alles noch viel schwieriger sein – und trotzdem wird von uns allen erwartet, dass wir unauffällig, lieb und folgsam sind. So sind nun mal nicht alle und das ist ok.
Das ist interessant Jackie! Beziehst du dich auf etwas bestimmtes?
Auf das, was ich tagtäglich auf Spaziergängen mitbekomme. Von anderen Hunden. In der Stadt. Auf dem Gehweg. Die meisten Hunde beschweren sich darüber – dass sie nicht sein dürfen wie sie sind – und wenn sie es sind, so nimmt der Mensch sie nicht in ihrer wahren Rolle wahr, sondern vermenschlicht sie oder beziehen alles auf ihre Schuld.... verstehst du?
Ich glaube, ich kann es mir vorstellen. Ich werde es weitergeben!
Danke, das ist gut. Und keine Sorge – mir geht’s gut! (schleckt mir durchs Gesicht)
Danke, Jackie! Mach’s noch gut!
Danke! wedel




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Diana Drewes